Kreta für Insider

Kreta Tipps für Insider

Auf dem Pelepones, Samos, Kos, Korfu, Ithaka, Kefalonia, Zakynthos, Karpathos u.v.m. findet man immer schöne Flecken. Dennoch zieht es viele immer wieder nach Kreta, die größte Insel Griechenlands. Besonders in den Südwesten Kretas. Wieso ist das so? Ganz einfach: Die Insel Kreta ist so groß und der Südwesten von den großen Hotels im Norden Kretas so schlecht erreichbar, dass man hier noch ganz individuell Urlaub machen kann.

Der Südwesten ist landschaftlich einzigartig mit seinen Gebirgen, Schluchten und Steilküsten. Ein Eldorado für jede Kombination von Wandern und Relaxen. Hier muss S.T.S. die Inspiration für seinen Hit „Irgendwann bleib i dann dort“ gewonnen haben. Große Hotels und Pauschaltourismus sucht man hier vergebens. Und genau das ist der Unterschied zu den meisten anderen griechischen Inseln.

Alle, für die Frühstücksbuffet, Halbpension, Pool, Sonnenschirm und Liege zum perfekten Urlaub dazu gehören, gleichgültig ob in Griechenland, der Türkei, auf Mallorca oder sonstwo, können hier eigentlich aufhören zu lesen. Für alle diejenigen, die ab und gerne wandern, tolle Landschaften genießen, in glasklarem Wasser schwimmen und individuell unterwegs sein wollen, gibt es hier vielleicht ein paar wertvolle Tipps. Es gibt natürlich viele weitere schöne Flecken auf Kreta. Zum Beispiel der Südosten mit Zakros und dem Tal der Toten, der Drachenbucht bei Lentas, Mochlos, die Gegend um Keratokambos, Spili mit seinem Löwenbrunnen. Auch eine Übernachtung in Chania am venezianischen Hafen mit Blick auf die Hafenpromenade ist empfehlenswert. Es macht Spaß, den Touristenströmen vom Balkon aus zuzusehen, wenn die Sonne hinter dem Leuchtturm untergeht. Interessant sind auch die Wochenenden, wenn die jungen Griechen sich in den schicken Bars versammeln. Auch die Inselhauptstadt Heraklion lohnt sich für 1-2 Tage, obwohl es hier schon eher städtisch zugeht. Über Rethymnon scheiden sich die Geister.  Der Aufenthalt an der Hafenpromenade ist ein Spießrutenlauf, nirgendwo sonst wird man so oft angequatscht. Es gibt aber auch noch ein paar schöne Seitengassen mit netten Lokalen. Mit Hotels am venezianischen Hafen schaut es auch eher schlecht aus.
Dem Norden kann man recht schnell den Rücken kehren, dort findet der Pauschaltourismus statt. Das Inselinnere und der Süden waren doch wesentlich interessanter. Besonders interessant ist der Südwesten. Die Gegenden im Südwesten erreicht man am schnellsten oder ausschließlich mit den Fähren des Südwestens. Wir beschränken uns hier auf die Orte Loutro, Paleochora, Sougia, Agia Roumeli und Chora Sfakion .

Loutro
Loutro ist ein Juwel. Und tatsächlich hat der Ort etwas Besonderes. Es gibt weder Autos noch Mopeds. Loutro ist wie Roumeli nur zu Fuß oder mit dem Schiff zu erreichen. In Loutro kann man sich eigentlich nur wohlfühlen. Ein kleiner Ort wie aus dem Bilderbuch in einer kreisrunden Naturbucht, umrahmt von steilen Felswänden. Eine Badewanne in blau und grün. Und mit zahlreichen Wandermöglichkeiten. Es gibt viele Bars und Tavernen, in keiner wird man angequatscht, wie das etwa in Rethymnon üblich ist. Vor ein paar Jahren gab es nur wenige Fährverbindungen und man musste teilweise ein paar Stunden warten. Inzwischen gibt es schon mehrmals täglich eine Schiffsverbindung nach Chora Sfakion. Unvermeidbar sind inzwischen auch Tagesausflüge nach Loutro, wobei ich mich immer frage, was die Leute von ein paar Stunden Aufenthalt haben. Die schönsten Bademöglichkeiten findet man nämlich um Loutro herum. Morgens und abends ist man wieder unter sich, auch wenn Gäste- und Zimmerzahlen stetig steigen. Ohne Reservierung kann es zur Hauptreisezeit eng werden. Die Reisegruppen machen auch in Loutro Station.
Was kann man in Loutro machen? Erstens: Gar nichts, einfach den Ausblick von der Zimmerterrasse oder von den Bars genießen. Zweitens: Man macht einen halbstündigen Spaziergang zur Finix-Bucht, eine sehr schöne ruhige Badebucht. Die Taverne dort und die Unterkünfte Old-Phönix waren vor wenigen Jahren noch ein absoluter Geheimtipp. Heute gibt es dort bereits etliche Stammgäste, denen Loutro zu trubelig geworden ist. Und wem es selbst in Finix schon wieder zu viel los ist, findet in der nächsten Bucht eine weitere Unterkunft, sich sich mausert und bald den allgemeinen Gästestandard erreichen wird. Mal sehen. Drittens: Man unternimmt eine ca. einstündige Wanderung zur Marmara-Bucht am Ausgang der Aradegna-Schlucht. Es sind etwas erhöht steinige scharfkantige Passagen zu überwinden. Gute Schuhe und weitgehende Schwindelfreiheit wären zu empfehlen. Durch weißen Fels und hellen Kies ist das Wasser hier nochmal schöner und klarer als ohnehin im Süden. Über der Bucht befindet sich eine gemütliche Taverne, von wo aus man dem Wellenplätschern zusehen kann. Bei meinem ersten Besuch waren nur ein paar andere Wanderer dort. Leider wird Marmara heute täglich mit einem kleinen Ausflugsboot aus Loutro angefahren und der Strand ist sehr schnell gefüllt; die Anzahl der Sonnenschirme steigt jedes Jahr. Deshalb unbedingt früh hierher kommen und mittags weitergehen. Dann ist es wirklich traumhaft. Viertens: In einer einstündigen einfachen Küstenwanderung nach Osten gelangt man zu einem anderen traumhaften Kiesstrand: Sweetwater. Das Wasser ist hier etwas kälter, weil frisches Süßwasser aus den Bergen in unterirdischen Quellen ins Meer fließt. Auch hier gibt es eine kleine Taverne und auch hier kommt inzwischen täglich ein Ausflugsboot aus Loutro oder Sfakia an. Der Strand ist aber so lang, dass man sich nicht auf die Füße tritt. In einem hinteren Strandabschnitt findet ein großer FKK-Bereich. In einer weiteren Stunde gelangt man nach Chora Sfakion oder man besucht die sehr schöne Badebucht am Ausgang der Ilingas-Schlucht. Fünftens: Geht man direkt von Loutro aus den steilen Serpentinenweg hinauf gelangt man in schweißtreibenden zwei Stunden hinauf nach Anopolis. Auf dem Weg dorthin und von der dortigen Kapelle Agia Katerini ergeben sich traumhafte Ausblicke auf die Bucht von Loutro und die Insel Gavdos. Von Anopolis gelangt man auf der Fahrstraße nach Aradegna und die gleichnamige Schlucht, die es leicht mit der Samaria-Schlucht aufnehmen kann. Nur ohne Eintritt und Touristen. Der Weg durch die Schlucht ist durchaus anspruchsvoll und am Schlucht-Ausgang hat man sich ein Bad in der Marmara-Bucht verdient. Von dort in einer weiteren Stunde zurück nach Loutro. Sechstens: eine schöne aber lange und anstrengende Küstenwanderung über Agios Pavlos nach Agia Roumeli und von dort zurück mit der Abendfähre nach Loutro. Es gibt noch andere Wanderalternativen, etwa den Maultierpfad von Agios Ioannis zur Küste oder die Ilingas-Schlucht.

Paleochora
Paleochora ist eigentlich sehr gut erreichbar. Eine gut ausgebaute, wenn auch sehr kurvige Straße führt vom Norden von Chania in eineinhalb bis zwei Stunden herunter. Es pendeln mehrmals Busse zwischen Chania und Paleochora. Der Ort selbst ist keine wahre Schönheit, hat aber zwei entgegengesetzte Strände, einen mit Sand und einen mit Kies. Im Osten befinden etwa 45 Gehminuten entfernt die beliebten Strände von Anidri. Das Essen ist in Paleochora vergleichsweise günstig, und da hier noch viele Griechen leben, ist das Publikum in den abends gesperrten Straßen bunt gemischt. Hier -wie überall im Südwesten- trifft man auf chillige Touristen aus Frankreich, England, Schweden, Norwegen, Österreich und Deutschland, von denen viele schon seit mehreren Jahren hierher kommen.
Von Paleochora aus kann man eine Küstenwanderung zur Südwestspitze der Insel Elafonisi machen. Elafonisi steht bei den Top-Sehenswürdigkeiten der Insel leider ganz weit oben. Es handelt sich um eine Lagunenlandschaft mit feinstem Sand und türkisfarbenem Wasser. Leider ist der Strand ab Mittag völlig überlaufen, weil er mit dem Mietwagen von Norden aus erreichbar ist. Außerdem ist er weitgehend schattenlos. Die Wanderung beginnt am Strand von Koundoura und führt in drei Stunden zum Ziel. Wer will, kann sich die ersten Kilometer nach Koundoura mit dem Taxi fahren lassen; dadurch spart sich eine recht eintönige Stunde Gehzeit. Zurück kommt man auf dem selben Weg oder am späten Nachmittag mit dem Ausflugsboot aus Paleochora. Außderdem kann man in ca. drei Stunden durch eine kleine Schlucht nach Anidri -mit netter Einkehr- und weiter zum Bergdorf Azogires wandern. Zurück auf dem gleichen Weg oder per Anhalter. Eine sehr schöne Küstenwanderung führt auf dem E4 in etwas vier Stunden über die antike Hafensiedlung von Lissos nach Sougia. Es gibt dabei zwei steilere Anstiege, gutes Schuhwerk ist notwendig. Nach einer Einkehr und Baden in Sougia geht es mit der Abendfähre zurück nach Paleochora. Alternativ kann man auch die Morgenfähre nach Sougia nehmen und nach Paleochora zurück wandern.)
Von Paleochora oder Sougia aus sollte man unbedingt eine Wanderung auf den Gingilos (2080 m) in den Lefka Ori unternehmen. Man braucht dazu ein Mietauto um auf die Omalos-Hochebene zu gelangen. Neben dem Eingang zur Samaria-Schlucht geht es links hinauf zum Gingilos. Man geht ca. zweieinhalb Stunden bergauf und zwei Stunden zurück. Alpenwanderer stellt die Wanderung nicht vor allzu große Herausforderungen, für die steileren Felspassagen braucht man unbedingt gutes Schuhwerk. Egal wie heiß es an der Küste auch sein mag sollte man etwas Warmes zum Drüberziehen und eine Regenjacke dabeihaben. Nach der Wanderung empfiehlt sich ein Besuch der Taverne am Ausgangspunkt der Wanderung. Von der Terasse hat man einen tollen Blick auf die umliegenden Berge und den Beginn der Samaria-Schlucht.

Sougia
Sougia ist im Grunde stinklangweilig. Man muss hier etwas Zeit verbringen, um zu verstehen, warum es hier so schwer ist, ein freies Zimmer zu bekommen. Dabei ist Sougia über eine sehr kurvenreiche Strecke eher umständlich zu erreichen. Sougia bietet aber alle Annehmlichkeiten, die man braucht. Viele gute Tavernen, gut ausgestattete Minimärkte, warmes Gebäck bei Roxanna, und viel Ruhe. Man genießt schon fast eine familiäre Atmosphäre, und der Kiesstrand ist so weitläufig, dass sich das Publikum verläuft. Hier findet man noch echte Paradiesvögel, denn Zelten ist am östlichen Strandabschnitt erlaubt. Und so verbringen hier viele gealterte Hippies die Sommermonate beim Nacktbaden. Während man vor ein paar Jahren problemlos Zimmer bekommen hat, kann es einem heute passieren, dass alles ausgebucht ist. Das liegt daran, dass Sougia schon lange kein Geheimtipp mehr ist und außerdem viele Wandergruppen hier Station machen, von denen jeder Teilnehmer natürlich ein Einzelzimmer braucht und das Gepäck hinterher gefahren wird.
Eine beliebte und nicht allzu lange Wanderung führt von Sougia aus nach Lissos, einer antiken Hafensiedlung, mit einer kleinen Badebucht. Der Weg führt in eineinviertel Stunden durch eine kleine Schlucht hindurch, auf einem Plateau entlang und einen steilen Abhang hinab. Von hier aus kann man in drei Stunden nach Paleochora weitergehen, oder den gleichen Weg zurück. Zuletzt wurde die kleine Bucht auch durch Badeboote aus Sougia angefahren. Auch eine sehr beliebte Wanderung führt in ca. vier Stunden durch die Agia Irini Schlucht. Hierzu fährt man morgens mit dem Chania-Bus nach Norden bis zum Schluchteingang. Die ist landschaftlich sehr schön und führt einige Kilometer bergab nach Sougia. Am Ende der Schlucht gibt es eine sehr einladende Taverne auf die wenigen Schluchtenwanderer. Der restliche Weg zurück nach Sougia führt entlang der Straße.
Direkt von Sougia aus kann man eine gut dreistündige Wanderung zur Höhle des Polyphymos unternehmen. Der Weg verläuft zunächst auf dem E4 Richtung Tripiti und Roumeli, zweigt dann aber auf halber Strecke ab und führt steil nach oben. In der Höhle befinden sich ein paar interessante Steinformationen. Absolut empfehlenswert, wenn auch recht anstrengend, ist der Küstenpfad zwischen Sougia und Tripiti mit einem Aufstieg zur Kapelle Profitis Ilias. Hier hat man tolle Ausblicke, allerdings sollte man vier bis fünf Stunden einplanen. Am Besten lässt man sich morgens von Yannis, der in Sougia Bootstouren anbietet, in die Bucht von Tripiti fahren. Allein die Bootsfahrt entlang der Steilküste und der Ausstieg am Felsen der Bucht sind schon ein Erlebnis. Von der Bucht geht es von Lämmergeiern begleitet einsam steil aufwärts zu einer alten venizianischen Festung und von dort weiter zur Profitis Ilias, die als weißer Punkt auf der Bergspitze von Sougia aus zu sehen ist. Im weiteren Verlauf geht es wieder bergab, und man kann einen Abstecher zur Kapelle St. Antonius machen, die kaum beachtet am Meer steht. Von hier nochmals bergan und man trifft wieder auf den Abzweig zur Höhle des Polyphymos. Man könnte von Sougia oder Tripiti aus auch nach Agia Roumeli laufen, dieses Stück zählt jedoch zu den anstrengendsten und gefährlichsten Passagen an der Südküste, und bleibt einigen Individualisten vorbehalten.

Agia Roumeli
Roumeli hat unter Kreta-Reisenden einen schlechten Ruf. Dabei gibt es keinen Grund dafür. Den meisten Kreta-Urlaubern ist Roumeli nur als Endpunkt der großen Samariaschlucht Durchquerung bekannt. Völlig durchgeschwitzt kommt man in den heißen Gassen an und der feinkiesige Strand ist etwas dunkler und heiß. Die zahlreichen Tavernen bieten kühle Plätze an, Essen und Trinken kann man zu normalen Preisen. Am Strand kann man sich für ein paar Stunden bis zur Abfahrt der Fähre einen schattigen Liegestuhl nehmen. Kostenlos, wenn man sich ein Bier oder Cola kauft. Trotzdem zwängen sich viele Schluchtenwanderer lieber ein paar Stunden in die Gassen bis die Fähre geht. Das muss die All-inclusive Mentalität sein. Alles in Allem ein sehenswertes Schauspiel. Roumeli ist ein bis zwei Übernachtungen wert. Sind die Schluchtenwanderer gegen halb sechs erst einmal weg, kehrt absolute Ruhe ein und es familiär zu. Nur wenige sind zurück geblieben und genießen die Ruhe. Es ist empfehlenswert, von hier aus am Morgen in die Samariaschlucht von unten nach oben einzusteigen. An den schönsten Stellen ist man völlig allein und hat alle Zeit der Welt. Wenn einem am Vormittag die ersten „von oben“ entgegenkommen, kann man getrost umkehren. Das Schönste hat man dann gesehen.
Von Roumeli aus kann man auf dem E4 eine schöne aber heiße Küstenwanderung mit schönen Bademöglichkeiten nach Agios Pavlos unternehmen. Sie wurde angeblich dort errichtet, wo der Apostel Paulus an Land gegangen ist. Jedenfalls ein sehr schöner, meist einsamer Ort am Strand. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine einfache Strandtaverne. Man kann auch noch das alte Kastell über Roumeli erklimmen, von wo aus man sehr schön den Ort überblicken kann. Es gibt zwei Aufstiegsvarianten. Schöner ist jedenfalls die steilere, dem Meer zugewandte Seite. Un natürlich kann man noch nach Sougia wandern über die Tripiti-Schlucht. Das ist aber nur was für Kreta-Erfahrene.

Chora Sfakion
Chora Sfakion ist Start- und Endpunkt der Südwest-Fähren. Der Großteil der Samaria-Wanderer kommt abends mit der letzten Fähre hier an. Dann herrscht großer Trubel, bis der letzte Wanderer die vielen Busse bestiegen hat, die an die großen Hotels der Nordküste weiterfahren. Das Mietwagenaufkommen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Viele parken inzwischen hier, um für eine Nacht in Loutro oder Roumeli zu übernachten. Die Parkplätze sind inzwischen sogar kostenpflichtig, aber ein paar Meter weiter oben an der Straße kann man sein Fahrzeug auch so abstellen. Chora Sfakion ist ein Ort in der Sfakia, eine traditionell besonders wehrhafte Gegend. Jedes Verkehrszeichen weist kleinere und größere Einschusslöcher auf. Der Ort hat ein paar Übernachtungsmöglichkeiten, es wurden in den letzten Jahren sogar ein paar sehr moderne Unterkünfte errichtet. Dennoch will man mit Chora Sfakion nicht so richtig warm werden, obwohl alles da ist: viele Tavernen, eine wirklich schöne feinkiesige Badebucht mit Strandtaverne, nahegelegene Wandermöglichkeiten in die Imbrosschlucht, über Anopolis in die Aradegna Schlucht, und natürlich auch alle anderen, vorher beschriebenen Wandervariationen der Südwestküste.